Jean Paul
Schmetterlinge
Wallet nur hin, ihr hübschen Schmetterlinge,
Und genießet die Honigwoche des kleinen Seins,
Ohne Hunger, ohne Durst,
Ein schönes Sonnenleben,
Ein Liebessein –
Und die einzige Kammer des Herzens
Ist nur eine ewige Brautkammer der Liebe.
Beugt die Blumen,
Lasset euch wehen,
Spielt im Glanz
Und erzittert nur linde,
Wie Blüten, dem Leben.
Josef Weinheber
An einen Schmetterling
Du, leicht und schön, aus Gottes Traum geboren,
Du Bote einer tiefersehnten Welt!
Du Sieger, der die Liebe unverloren
Und sanft im Segel seiner Flügel hält:
Die Blumen lieben dich. Und wenn ich träume,
So träum ich deinen selbstvergessnen Flug.
Wie du mir wiederkommst durch helle Bäume,
Versöhnst du mit der Erde Last und Trug.
Dein goldner Schmelz erschrickt vor meiner Schwere.
Du hebst dich auf, mir lahmt der wüste Tritt.
Doch hoch und höher jetzt, in seliger Kehre,
Nimmst du den Schmerz auf deinen Schwingen mit.
Hermann Hesse
Der Schmetterling
Mir war ein Weh geschehen,
Und da ich durch die Felder ging,
Da sah ich einen Schmetterling,
Der war so weiß und dunkelrot,
Im blauen Winde wehen.
O du! In Kinderzeiten,
Da noch die Welt so morgenklar
Und noch so nah der Himmel war,
Da sah ich dich zum letzten Mal
Die schönen Flügel breiten.
Du farbig weiches Wehen,
Das mir vom Paradiese kam,
Wie fremd muss ich und voller Scham
Vor deinem tiefen Gottesglanz
Mit spröden Augen stehen!
Feldeinwärts ward getrieben
Der weiß´ und rote Schmetterling,
Und da ich träumend weiterging,
War mir vom Paradiese her
Ein stiller Glanz geblieben.
Nelly Sachs
Schmetterling
Welch schönes Jenseits
Ist in deinen Staub gemalt.
Durch den Flammenkern der Erde,
Durch ihre steinerne Schale
Wurdest du gereicht,
Abschiedsgewebe in der Vergänglichkeit Maß.
Schmetterling
Aller Wesen gute Nacht!
Die Gewichte von Leben und Tod
Senken sich mit deinen Flügeln
Auf die Rose nieder
Die mit dem heimwärts reifenden Licht welkt.
Welch schönes Jenseits
Ist in deinen Staub gemalt.
Welch Königszeichen
Im Geheimnis der Luft.